Horror vacui | Scheu vor der Leere

Galerie Lukas Feichtner | Wien
Eröffnung: Donnerstag, 18. Mai 2017 | 18 – 21 Uhr
Dauer der Ausstellung: 19. Mai – 01. Juli 2017
Kuratorin: Christiane Rekade

 

 

 

 

In seinen Arbeiten setzt sich Martin Pohl seit Jahren mit den Möglichkeiten der Malerei auseinander. Im Mittelpunkt stehen dabei die Grundelemente des Farbauftrages, des malerischen Duktus, der (reduziert eingesetzten) Farbe. Für seine Bilder entwickelte Pohl eine Technik, bei der er flüssigen Wachs gemischt mit Pigmenten in großzügigen Gesten auf Holzfaserplatten auftrug.

Für die neuen Arbeiten, die Pohl in dieser Ausstellung präsentiert, entwickelte der Künstler diese Technik weiter, konzentriert sich dabei jedoch nur auf das Material der Ölfarbe. Ebenfalls in Schichten werden Grundierung und Ölfarbe aufgetragen. Die breiten Pinselstriche lässt Pohl bewusst sichtbar, und schafft so bereits eine Grundstruktur und – Bewegung auf der Leinwand. Danach arbeitet er mit feinen Spachteln Formen und Linien aus der Oberfläche heraus, lässt sich dabei vom Verlauf und der Bewegung der Farbe leiten.

Riefen die in großzügigen Pinselstrichen, meist in den Farben weiß, schwarz und blau aufgetragenen Wachsstrukturen in seiner letzten Werkserie – den „Bergbildern“ – eindeutige Erinnerungen an Berglandschaften hervor, bleiben die neuen Ölarbeiten abstrakte, monochrome Kompositionen.

Es sind filigrane, dichte, ornamentale Strukturen, die Pohl aus der Oberfläche wachsen lässt und mit ihnen einen dreidimensional anmutenden Bildraum schafft.

Die Ausstellung versammelt sowohl neue „Bergbilder“ als auch eine Gruppe der neuen abstrakten Ölbilder.

Es ist weniger die aristotelische „Angst vor der Leere“ aus der Pohls Bilder entstehen. Vielmehr ist die Leere, die (glatte) Oberfläche Pohls Material, aus dem er seine Arbeiten entwickelt. Holt er doch (mit der Geste des Spachtelns oder „Kratzens“) die Formen und Bewegungen buchstäblich aus der Bildoberfläche heraus und kreiert so die Idee von Räumlichkeit und Tiefe.

Ähnlich geschah dies in seiner frühen Werkserie der „Museumsbilder“, in denen Pohl tatsächlich existierende Museumsräume gemalt und sie sozusagen mit seinen eigenen großformatigen (Wachs-)Werken „gefüllt“ hat. Zeigen die „Museumsbilder“ einen tatsächlichen Raum im Bild, entsteht in den neuen abstrakten Bildern die Idee von Dreidimensionalität und Tiefe durch den unterschiedlichen Farbauftrag, die Bewegung und Struktur der gespachtelten Formen und Linien.

In all seinen Arbeiten jedoch lässt Pohl Leere und Reduktion zu, setzt sie bewusst ein:­ Im Gegensatz zu den dichten, manchmal fast barocken Formen seiner Bilder, bleibt der Einsatz von Farbe stets zurückhaltend, die Gesten kontrolliert und nie überbordend. Sind die „Bergbilder“ von maximal drei hellen und kühlen Farbtönen bestimmt, so sind die neuen abstrakten Arbeiten Monochrome in leuchtenden Farben wie orange oder einem satten Grün.

Gemeinsam ist allen gezeigten Arbeiten – sowohl den „Bergbildern“ als auch den abstrakten Kompositionen – die konsequente gestische Abstraktion, die unermüdliche Auslotung der Möglichkeiten des Farbauftrages und des Einsatzes der Farbe mit dem Martin Pohl der Herausforderung einer leeren Oberfläche begegnet und mit dichte Strukturen und Formen tiefe, rhythmische, bewegte Bildräume schafft.

– Christiane Rekade

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