Museion – Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen

: Eröffnung :
Freitag / 26. Juni 2020 / 16 – 22 Uhr

: Dauer der Ausstellung :
Sonntag / 23. August 2020

: Öffnungszeiten :
Dienstag – Sonntag / 10 – 18 Uhr
Donnerstag / 10 – 22 Uhr

:Kurator:
BAU

Die Ausstellung ist eine Initiative der Abteilung Deutsche Kultur in Kooperation mit dem Museion. Die Ausstellung unlearning categories umfasst über 60 Arbeiten von 50 Künstlern und Künstlerinnen. Die Ausstellung lädt dazu ein, vertraute Sichtweisen aufzugeben und neue Narrationen in Landschaften zu entdecken. Wie bei einem Waldspaziergang werden unerwartete Perspektiven und Beziehungen zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Wesen, die den Wald und die Kunstwerke bewohnen, eröffnet.

„Angehäuftes Wissen und Kategorien wie Mensch, Pflanze, Tier sind fest in uns verankert. Was, wenn einem ein überholtes Wissen im Wege steht? Wie kann dieses verlernt werden? Begriffe funktionieren oft nicht mehr, es ist nötig, verinnerlichte Formen der Weltbeschreibung zu verlernen und Methoden des Konstruierens, Verortens und Kritisierens der Wirklichkeit neu zu denken“ so die Kuratorinnen Simone Mair und Lisa Mazza (BAU) zum Konzept der Ausstellung, das eine immer aktueller werdende Fragestellung anspricht. 

unlearning categories präsentiert erstmals Werke, die die Südtiroler Landesregierung im Zeitraum 2012–2018 erworben hat. Für die Ausstellung verlassen über 60 Werke von 50 Künstlern und Künstlerinnen ihren gewohnten Platz in den öffentlichen Arbeitsräumen, wo die Werke mit Menschen, Büromöbeln, Pflanzen, Urlaubspostkarten und anderen Objekten in Beziehung stehen, um für 59 Tage in den Räumlichkeiten des Museion zu „verweilen“. Ausgehend von zeitgenössischen Denkerinnen wie Donna Haraway und Anna Tsing lädt die Ausstellung dazu ein, ein überkommenes Wissen und herkömmliche Kategorien aufzugeben, um die Komplexität unseres Daseins bzw. die Symbiose von menschlichem und nichtmenschlichem Leben neu zu entdecken. Das kuratorische Narrativ dringt dabei in die Tiefe und verwendet als Metapher das unterirdische, unsichtbare System der Mykorrhiza, einer Symbiose, wo Pilz und Pflanze über ein Feinwurzelsystem miteinander verbunden sind.
In diesem Sinn ist die Ausstellung als eine imaginäre Untersuchung des Waldes konzipiert, die in acht „Momenten“ gegliedert ist: Mischwesen, Materie, Linien, Kollektivität, Porosität, Fugen, Sedimente, Gefüge. Alle Werke sind durch ihren Bezug auf die Gegenwart charakterisiert: sie versuchen sie zu verstehen, zu kommentieren, das Unsichtbare sichtbar zu machen, Verbindungen offenzulegen oder zur Diskussion zu stellen. Wie soll man sich die Ausstellung ansehen? „Mit derselben Aufmerksamkeit und Langsamkeit, mit der man Pilze sucht, mit neugierigem und aufmerksamem Blick, um dem Unbekannten zu begegnen und das Bekannte wiederzuentdecken und – beim Betrachten der Kunstwerke – neue Denkräume sich öffnen zu lassen,” schreiben die Kuratorinnen von BAU. 

Das Konzept der Ausstellung spiegelt sich in dem von insalata mista studio entwickelten Ausstellungsdesign, das sich mit seiner Farbpalette an der Pflanzenwelt orientiert und sich bei den Beschriftungen organischer Formen bedient. Zugleich mit der Ausstellung erscheint der zweite Band des Sammlungskatalogs Arbeiten. Lavori in corso“, der alle im Zeitraum 2012–2018 von der deutschen Kulturabteilung der Autonomen Provinz Bozen angekauften Werke enthält. Er wurde von der Abteilung Deutsche Kultur erarbeitet und ist Teil der Ausstellung.

Die Ausstellung
Die Ausstellung ist im zweiten und dritten Stock des Museion angelegt wie ein imaginärer Rundgang, bei dem man eine Landschaft erforscht. Im ersten Raum, Humus betitelt, kann das Publikum Platz nehmen und sich in Ruhe mit den Projekten, den Publikationen und Künstlerbüchern der in der Ausstellung vertretenen Künstler und Künstlerinnen auseinandersetzen. Die Begegnung mit den Werken selbst beginnt bei den Mischwesen. Dort sind, wie in einer Landschaft bzw. im regennassen Waldboden, der Körper und seine Grenzen Gegenstand der Untersuchung der Künstler und Künstlerinnen: Annemarie Laner, Matthias Schönweger, Michael Fliri, Sven Sachsalber, Peter Senoner, Barbara Gamper, Josef Rainer, Julia Bornefeld, Sylvia Barbolini und Linda Jasmin Mayer. Die aktive Natur der Materie, sei sie nun flüssig oder formgebend politisch konnotiert oder von der Anziehung des Gegensätzlichen bestimmt, begegnet dem Wanderer in den Werken von Franz Messner, Aron Demetz, Tomas Eller, Jörg Hofer und Leander Schwazer.
Die Kunstwerke von Esther Stocker, Arnold Holzknecht, Martina Steckholzer im Raum der Linien handeln von verflochtenen Beziehungen, die den Einzelnen in einem größeren Netzwerk positionieren, das aus organischen oder geometrisch-abstrakten Formen besteht.
Künstler und Künstlerinnen wie Hannes Egger, Christian Niccoli, Ingrid Hora und Franz Pichler setzen sich mit unterschiedlichen Formen von Kollektivität auseinander, die immer dort entsteht, wo einer mit einem anderen etwas teilt. Die Gemeinschaft als Impuls dafür, dass in der Natur das Gleichgewicht bewahrt wird, ist ein Element, das ein prekäres soziales System stabilisiert.
Die Porosität hält am Leben und sorgt dafür, dass man mit den Problemen in Kontakt bleibt, sie löst die Definitionen und die Kategorien auf, sie bewirkt, dass der Übergang zwischen innerer und äußerer Welt verschwimmt. Die Künstler und Künstlerinnen Petra Polli, Kathrin Partelli, Hans Knapp, Cornelia Lochmann, Christian Martinelli und Krüger & Pardeller lassen grundsätzlich die Durchlässigkeit zwischen unterschiedlichen Konzeptionen von Landschaft erkennen.
Bei den Fugen schaffen die Künstler und Künstlerinnen Maria Walcher, Siggi Hofer und Heinz Mader Zwischenräume, die ein institutionell legitimiertes Wissen in Frage stellen und es teilweise auflösen. In den Arbeiten von Claudia Barcheri, Martin Kargruber, Erich Kofler Fuchsberg, Berty Skuber, Albert Mellauner, Benjamin Tomasi und Karin Welponer lagert sich die Begegnung zwischen Mensch und nicht-menschlichem Wesen in inneren und äußeren Landschaften ähnlich den Sedimenten des Waldbodens ab. Im letzten „Moment“ der Ausstellung, namens Gefüge, werden Werke folgender Künstler und Künstlerinnen präsentiert: Sonia Leimer, Irene Hopfgartner, Karl Unterfrauner, Christian Reisigl, Martin Pohl, Letizia Werth, Elmar Peintner, Walter Niedermayr, Philipp Messner, Gino Alberti, Elisabeth Hölzl, Gabriela Oberkofler und Nicolò Degiorgis. Diese Werke liegen auf der Grenze zwischen Natur und Künstlichkeit. Die Grenzen zwischen dem, was gewachsen ist, und dem, was konstruiert ist, lösen sich auf und die Fragilität des Gleichgewichts wird deutlich.

Ausgestellte Künstler und Künstlerinnen: Martin Pohl, Annemarie Laner, Matthias Schönweger, Michael Fliri, Sven Sachsalber, Peter Senoner, Barbara Gamper, Josef Rainer, Julia Bornefeld, Sylvia Barbolini, Linda Jasmin Mayer, Franz Messner, Aron Demetz, Tomas Eller, Jörg Hofer, Leander Schwazer, Esther Stocker, Arnold Holzknecht, Martina Steckholzer, Hannes Egger, Christian Niccoli, Ingrid Hora, Franz Pichler, Petra Polli, Kathrin Partelli, Hans Knapp, Cornelia Lochmann, Christian Martinelli, Krüger & Pardeller, Maria Walcher, Siggi Hofer, Heinz Mader, Claudia Barcheri, Martin Kargruber, Erich Kofler Fuchsberg, Berty Skuber, Albert Mellauner, Benjamin Tomasi, Karin Welponer, Sonia Leimer, Irene Hopfgartner, Karl Unterfrauner, Christian Reisigl, Letizia Werth, Elmar Peintner, Walter Niedermayr, Philipp Messner, Gino Alberti, Elisabeth Hölzl, Gabriela Oberkofler, Nicolò Degiorgis